Die evangelische Stadtkirche Herborn

Die Stadtkirche Herborn aus der Südansicht
Die Stadtkirche Herborn aus der Südansicht
Kirchenführer der Ev. Stadtkirche Herborn

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Anfänge

 

Die Herborner Stadtkirche ist das älteste Gebäude der Stadt. Wer von Nordwesten her den Glockenturm betrachtet, sieht oberhalb der Außentreppe zur Empore den kümmerlichen Rest eines romanischen Rundbogenfrieses. Das ist der älteste noch sichtbare Teil der Kirche, einer romanischen basilika mit Mittelschiff, zwei niedrigen Seitenschiffen, einer halbrunden Absis im Osten und zwei Türmen zu beiden Seiten der Apsis. Der Südturm trug eine Turmuhr mit Zifferblatt in Richtugn der Stadt, wie es ab 1200 üblich wurde.

 

Es ist allerdings nicht ganz sicher, ob in frühester Zeit bereits der westliche Turm vorhanden war. Er öffnete sich zum Kirchenschiff hin mit einem auf Kämpfern ruhenden Rundebogen und könnte ursprünglich einen Westchor enthalten haben. Doppelchörige Anlagen sind in der deutschen Romanik vom 9. bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts nicht selten. On eine Krypta vorhanden war, ist nicht bekannt.

Über das Alter der Kirche gibt es keine schriftlichen Überlieferungen. Den ersten Anhaltspunkt haben wir in einer Urkunde von 1231, als Graf heinrich von Nassau die Kirche mit allen Einkünften dem 1199 gegründeten Deutschen Orden übergab, damit dieser daraus die Unterhaltskosten für ein Hospital in Jerusalem bestreite. Der Graf benötigte dazu die Einwilligung seines Lehnsherren, des Landgrafen Heinrich von Thüringen und des Königs Heinrich VII., dem Sohn Kaiser Friedrich des II. Außerdem war die Zustimmung des Erzbischofs Arnold von Trier (1254) und schließlich des Papstes Alexander VI. (1257) erforderlich. Bis 1587 blieb die Herborner Stadtkirche im besitz des Deutschen Ordens. Sie gehörte dem Erzbistum Trier und war dem Heiligen Petrus geweiht, der auch im Herborner Stadtsiegel erscheint. Der ihm geweihte Altar dürfte im Ostteil der Kirche gestanden haben, während möglicherweise im Westchor, falls es diesen gab, die Heilige Maria verehrt wurde; sie war die Schutzheilige des Deutschen Ordens.

 

Der Chorraum

 

Um 1350 brach man die halbrunde Apsis ab und baute nach Osten zu ein Chorhaus an, das allerdings nicht eingewölbt war. Im Inneren desselben schmückte ein riesiger Christopherus mit einer heute noch teilweise sichtbaren Inschrift am Boden die Nordwand. Links und rechts von ihm waren die Heilige Barbara und die Heilige Katharina dargestellt. Reste dieser Figuren sind heute noch erkennbar. Im Nordosten des Chores befinden sich die Bilder des Heiligen Thomas und des Heiligen Bartholomäus, im Südosten die des Heilgen Andreas und des Heiligen Johannes. Die Christopherunsszene wurde später zum Teil durch einen (Passions-) Bilderzyklus mit Inschrift übermalt.Die eigentliche Christopherusgestalt war ohnehin durch die 1457 erfolgte Einwölbung des Chorraumes zerstört worden. Das spätgotische Netzgewölbe wurde mir Rankwerk ausgemalt. Die drei Wappenschlusssteine sind heute - abgesehen von dem Wappenfarben des Detschen Ordens (schwarz-weiß) - nicht mehr deutbar. Der erwähnte Bilderzyklus und die übrigen erhaltenen Teile der mittelalterlichen Malerei befinden sich unter der linken treppe zur Chorempore. Auf einer Tafel ist dort die Bemalung noch einmal übersichtlich und teilweise rekonstruiert dargestellt. 

 

Umbauten in der Reformationszeit

 

In der oben geschilderten gestalt erlebte die Kirche die Reformation, die durch den Grafen Wilhelm von Nassau in den Jahren 1529-1530 eingeführt wurde. Sie beschränkte sich zunächst auf die Abschaffung von Wallfahrten und Missbräuchen, auf die Hervorhebung der Predigt und die Einführung des katechetischen Unterrichts sowie eine strendere Ordnung des priesterlichen Lebens. Dann erfolgte die Abschaffung der Messe, die Einführung des Abendmahls in beiderlei gestalt und die Einrichtung von Synoden und Konventen. Die entscheidende Veränderung brachte dann 1578 die Einführung des reformierten Bekenntnisses durch den Grafen Johann VI. von Nassau.

 

Für die neuen Funktionen war die Herborner Stadtkirche viel zu klein geworden: Viel mehr bescuher als zuvor wollten - sitzend! - am neuen Gottesdienst teilnehmen, in dessen MIttelpunkt nunmehr eine lange Predigt stand. Dies erst recht, als 1584 die Herborner "Hohe Schule" gegründet wurde und Professoren und Studenten mit zu den Kirchgängern zählten. Die reformierte Auslegung des alttestamentlichen Bilderverbotes führte chon 1584 dazu, dass man die Bilder im Chorraum weiß übertünchte. In den Jahren 1598 bis 1609 erfolgte der dann der Umbau des Kirchenschiffs. Dieser Teil der alten Basilika wurde niedergelegt. Man baute eine neue Kirchenhalle, die auf vier mächtigen Säulen ruht und die zu beiden Seiten eine doppelstöckige Empore aufnehmen konnte. Die Emporen tragen das typische Dekor (Beschlagwerk) der Renaissance. Auch der spätgotische Chor erhilet eine Empore, die dort eigentlich nicht hinpasst. Aus derselben Zeit stammt auch die Kanzel. Nach Süden zu erhielt die Kirche einen dreistöckigen Anbau, dessen Räume für den Zweck der Hohen Schule bestimmt war. Er enthielt Hörsäle und die Bibliothek.

Nunmehr bot die Kirche ein völlig verändertes Bild. Von der alten Basilika war nicht mehr viel übrig geblieben, wenn man von den beiden Osttürmen absieht, die alle Veränderungen überdauert hatten. Aus der Zeit nach der Reformation stammen zahlreiche Grabplatten und Gedenktafeln im Innern der Kirche. Aus den Jahren 1587 bis 1770 sind uns 42 namentlich bekannte Kirchenbegräbnisse überliefert, darunter 13 Professoeren der Hohen Schule.

Hier kann nur auf einige Grabplatten hingewiesen werden: Da sind zunächst die Grabplatten der beiden ersten Rektoren der Hohen Schule - Caspar Olevian und Joahnnes Piscator - zu erwähnen.

Die Grabplatte des Caspar Olevian (1536-1587) ist heute rechts hinten unter der Chorempore angebracht (gusseiserne Platte, an der linken Seite und in der oberen Hälfte beschädigt).

Die Grabplatte des Johannes Piscator (1546-1625) befindet sich an der Wand gegenüber der Kanzel (früherer Südturm, gusseiserne Platte in gutem Zustand). An der rechten Stirnwand (Ostwand) des Kirchenschiffes gibt es für Caspar Olevian ein Grabdenkmal (grauer Sandstein mit Marmorrelief) neugotischer Stil). Es wurde am 300. Todestag (1887) zum Gedenken an den "Mitverfasser des Heidelberger Kathechismus" von der reformierten Kirche der Vereinigten Staaten von Nordamerika gestiftet.

Die Grabplatte des Buchdruckers Christoph Corvin (1552-1620) ist unter der linken Treppe (Nordtreppe) zur Chorempore in den Fußboden eingelassen (roter Sandstein, zum Teil mit Schutzfarbe bedeckt; diente Zeitweise als Stufe, daher ist die Schrift schwer zu entziffern). Inschrift und Übersetzung befinden sich auf der Hinweistafel an der Treppe.

Die Grabplatte des Professoers Conrad Post (1613-1669) befindet sich an der linken Wand (Nordwand) des Kirchenschiffes (gusseiserne Platte, Wappen: im Schild ein gewundenes Posthorn).

Während seiner Amtszeit entstand nach Beendigung des 30-jährigen Krieges die Gedenktafel aus Holz mit lateinischer Inschrift, die sich heute an der Westwand des Kirchenschiffes unter der Orgel befindet.

Um die MItte des 18. Jahrhunderts ließ man für die Gräfin Isabella Charlotte von Nassau-Dillenburg, die längere Zeit in Herborn wohnte und ein Witwenstift gründete, im Süden des Chorraumes eine Grabkapelle ausbauen. Die Gräfin wurde darin 1757 beigesetzt.

 

Renovierungen deit dem Ende des 18. Jahrhunderts 

 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die bauliche VErnachlässigung der Kirche offeneichtlich geworden. Schon 1784 musste der westliche Glockenturm repariert werden. Er stürtzte dennoch am 4.9.1787 morgens um vier Uhr ein. Im Jahre 1792 weiß der Beumeister Schrumpf zu berichten, dass auch die übrige Kirche baufällig sei. Das Dach könne man nicht mehr reparieren, der nördliche Chorturm sei geborsten, das Chorgewölbe in Mitleidenschaft gezogen. Das Auditorium sei baufällig, die zwischen Auditorium und Kirche angebaute Wendeltreppe zu benutzen sei lebensgefährlich, für das Kirchenschiff bestehe eine große Gefahr. In dieser Zeit wurde dann der Vorschlag gemacht, die Kirche in klassizistischem Stil umzubauen. Verschiedene Umbaupläne erweisen sich als zu teuer. Schließlich beschloss man 1811 eine bescheidenere Lösung: Niederlegung der Chortürme, soweit sie über das Kirchendach hinausragten, Reperatur des Daches, Abriss des Auditoriums, Neugestaltung der Fassade und der Fenster im Süden, Reperatur des Westturmes. Letzterer bekam 1822 die jetzt sichbare Haube mit der Turmuhr.

Im Jahre 1817 war in Idstein die Nassauische Union begründet worden. Offiziell wurde damit der Bekenntnisstand im alten Herzoftum Nassau, das seit 1866 zu Preußen gehörte, vereinheitlicht. Trotzdem blieb in den ehemals reformierten Regionen die reformierte Prägung des kirchlichen Lebens erhalten. Das hinderte allerdings zu Beginn des letzten Jahrhunderts den Kirchenvorstand nicht daran, im Chorraum die mittelalterlichen Bilder, soweit sie noch unter der Tünche erhalten waren, wieder freizulegen. Dabei erwarb sich der Kirchenmaler Velte große VErdienste. Von ihm stammt auch die Tafel mit der Bilderrekonstruktion, die man im Chorraum betrachten kann.

Der Crucifixus auf dem mittleren Kirchenfenstern wurde von O. Linnemann aus Frankfurt am Main gemalt.

Die Ausgestaltung des Innenraumes der Kirche, wie sie sich jetzt darstellt, beruht auf Renovierungsarbeiten, die nach dem zweiten Weltkrieg durchgeführt wurden. Altar und Taufstein wurden von Wilhelm Pfeiffer (aus Driedorf) Mitte der 60er Jahre aus heimischen Diabas gefertigt.

Gegenüber dem Chorraum steht auf der Empore die 1966 fertiggestellte Walcker-Orgel mit Haupt-, Brust- und Oberwerk, 50 Registern und 3485 Pfeifen. Sie ist mit drei Manualen und einem Pedal ausgesattet. Die schön gestalteten Prospektpfeifen sind übrigens fast ohne Ausnahme klingende Pfeifen.

 

 

Am Besten besuchen Sie unsere Kirche doch einfach selbst!

Unsere Stadtkirche ist vom

01. Mai - 03. Oktober

Dienstags, Samstags und Sonntags

von 14:00 - 16:00 Uhr

geöffnet.

Natürlich sind Sie auch herzlich eingeladen, einen Gottesdienst in unserer wunderschönen Kirche mitzufeiern.

Weitere Informationen über die Stadtkirche erhalten Sie im auch im Gemeindebüro, Kirchberg 4 (gegenüber der Kirche), Tel.: 02772 3337.

 

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